Magyar Kolónia Berlin e.V. seit 1846 óta Ungarische Kolonie Berlin e.V.

UNSERE GESCHICHTE

Am 15.Juni 1846 versammelten sich auf Initiative von Ignac Berlek aus Szekszard, Istvan Gönczi aus Miskolc und Janos Schuh aus Veszprem
29 ungarische Handwerker, um sich in einem Verein zusammenzuschließen. Sicherlich waren sie sich damals nicht im klaren darüber, dass sie damit eine so lange Tradition in der Geschichte Berlins begründen würden.
Ignac Berlek wurde zum ersten Vorsitzenden des Vereines gewählt,
dessen Ziele in der Schaffung einer Plattform für gegenseitige Hilfe
sowie eines gemeinsamen Treffpunktes der Berliner Ungarn für Gedanken­austausch und Traditionspflege bestanden. Die Gründer des Ungarn­vereins stammten aus Ungarn selbst und aus Siebenbürgen, auch Deutschstämmige waren vertreten. Die politische Situation in der Heimat und in Europa stellte den neugegründeten Verein bald vor große Probleme, denn mit dem Ausbruch der Revolution in Ungarn im März 1848 kehrte fast die Hälfte aller Vereinsmitglieder in die Heimat zurück, um am Unabhängigkeitskampf gegen die Habsburger Monarchie teilzunehmen.

1886 gaben sich die Mitglieder des Vereins ein neues Statut. In dieser Zeit war auch das Anwachsen der Zahl der Veranstaltungen mit politischen, sozialen, literarischen und künstlerischen Fragestellungen zu verzeichnen. 1863 bereits war eine Bibliothek gegründet worden, 1864 erschien eine erste historisch angelegte Selbstdarstellung des Vereins. Um die Jahrhundertwende nahm die Zahl der in Berlin lebenden Ungarn zu.
Der Verein erstarkte so, dass sein Bestand weder durch den ersten Weltkrieg noch durch die nachfolgende Wirtschaftskrise und Inflation gefährdet werden konnte. Im Gegenteil, auch in diesen schwierigen Zeiten halfen die Vereinsmitglieder durchreisenden und neuankommenden Landsleuten mit der Bereitstellung von Unterkunft, Verpflegung und Geldspenden. Sie verbreiteten auch ein Flugblatt, auf dem sie den Neuankömmlingen Ratschläge für ihr Verhalten im deutschen Gastland gaben, die bis heute kaum an Aktualität verloren haben. Sie sollen hier kurz genannt sein:

1. In der Fremde vertrittst du deine ganze Nation. Benimm dich
    dementsprechend und mache dem Namen der Ungarn Ehre.
2. Sei stolz auf dein Ungarntum. Sei selbstbewusst, aber nie unhöflich.
3. Unterstütze deine Landsleute und die Sache der Ungarn.
    Halte dich von Abenteurern fern.
4. Respektiere die Nation deiner Gastgeber. Geh mit offenen Augen
    durch die Fremde, damit du das Gesehene zu Hause anwenden kannst
    Verurteile jedoch nie die Zustände im Gastland oder in der Heimat.
5. Vergiss nie, dass du nur eine Heimat hast. Woanders bist du stets
    nur Gast. Sorge dafür, dass deine Kinder ihre Heimatsprache erlernen.

Es ist natürlich unmöglich, die Geschichte des Vereins ausführlich zu schildern. Deshalb möchte ich die Ereignisse in der Zeit des zweiten Weltkrieges nur kurz erwähnen. Am 15. März 1939 vereinten sich die
zu diesem Zeitpunkt in Berlin existierenden verschiedenen Gruppen unter dem Druck der Nationalsozialisten in einem nationalistischen Verein.
Dieser Verein bestand bis 1945 und hörte dann auf zu existieren, ohne, dass er formal aufgelöst worden wäre.

1946 gründete Géza Lőrincz die Ungarische Kolonie. Dieser Verein vertrat bis zum Mauerbau 1961 die Interessen der Ungarn in beiden Teilen Berlins. Seine Tätigkeit war auf die Erhaltung und Pflege der ungarischen Sprache und Kultur gerichtet. Der Mauerbau stellte die Existenz der Kolonie auf eine schwere Probe, denn sie konnte nur im Westteil der Stadt weiterbestehen und verlor auf einen Schlag einen großen Teil seiner Mitglieder. In Ostberlin blieb das Vereinsleben bis 1989 unmöglich. Es ist allein den Bemühungen des damaligen Hauses der Ungarischen Kultur und seinen Mitarbeitern zu verdanken, dass die Ostberliner Ungarn dort einen Treffpunkt finden und auf Unterstützung rechnen konnten.

Der Mauerfall und die Wiedervereinigung der Stadt veränderte auch die Situation der Ungarn in Berlin. In Ostberlin nutzte man die neuen Möglichkeiten schnell und gründete eine eigene Vereinigung. Derzeit gibt es verschiedene Vereine und Kulturgruppen sowie eine katholische Gemeinde der Ungarn in Berlin. Die Berliner Ungarn unterhalten gute Beziehungen zu den Deutschen, denn die meisten haben deutsche Ehepartner, ihre Kinder sind oft deutsche Staatsbürger. In Berlin gehören wir Ungarn zu den kleinsten nationalen Minderheiten, meist fallen wir gar nicht auf. Dabei bemühen wir uns durchaus aufzufallen und das uns anhängende Label
der Pustaromantik abzuschütteln. Unsere Kultur weicht, so eigenständig sie auch sein mag, vom europäischen Standard nicht wesentlich ab.
Das ist auch nicht verwunderlich nach so vielen Jahrhunderten Lebens mitten in Europa.

Die kulturelle Tätigkeit der Kolonie bewiesen die Feste für 15. März, Muttertag, Ostern und Weihnachtsfest mit steigenden Niveau. Ab 1968 wurde wieder Antal Kleineizel Präsident der West-Berliner Kolonie, dann 1974 Otto Raab folgte ihm auf diesen Posten. Im Jahre 1977 Tibor Papp, 1985 Ferenc Deák wurden die Lenker des Vereins, dann zwischen 1988–1990 wieder Herr Papp.

Eine Stadt-zwei ungarische Vereine
Der Fall der Berliner Mauer und die Wiedervereinigung hat ernsthafte Änderungen im Leben der, in der Hauptstadt lebenden, Ungaren gebracht.
In der Weltstadt lebende Ungare haben sich zusammengerückt. In den
90-er Herr Janos Szabó wurde Präsident bei der Kolonie, ihn folgte Herr Ferenc Deak, danach wieder Herr Szabo wurde Präsident. Beide Präsidenten haben den Kontakt zu den, in Ost-Berlin lebenden, Landsleuten gesucht die aber im Frühjahr 1990 eine eigene Vereinigung gegründet haben.
Es wurde auch verhandelt um beide Vereine zu vereinigen, aber es sah danach aus, dass die Ost-Berliner Vereinigung bei der Kolonie aufgenommen wird. Bei einer Versammlung im Januar 1991 haben aber
die Ost-Berliner Ungare „nein“ zur Fusion gesagt.
Über die Zusammenkünfte, Programme sprechen die aber miteinander, feiern die auch mal miteinander, koordiniert durch das Haus Ungarn bzw. Collegium Hungaricum Berlin. Zur Zeit Hans-Ulrich Moritz Vorsitzender (bis April 2015 Dr. László Hetey) führt die Ungarische Vereinigung Berlin in freundschaftlicher Zusammenarbeit mit der Ungarische Kolonie Berlin, welche bis 2015 von Herrn Janos Usztics, und zur Zeit von Herrn Janos Molnar Präsident geführt wird.

Berlin, 13.02.2008